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Immobilienhaie in Sun Peaks

 

Bedrohlich ziehen die Wolken vom Mt. Tod herunter nach Sun Peaks, als wir in den Skiort fahren. Janice Billy, die Sprecherin des Skwelkwek’welt Protection Centers, begleitet uns. Sie darf sich allerdings nur bis Einbruch der Dunkelheit in Sun Peaks aufhalten, denn wegen ihres Protests gegen die Erweiterung des Skigebiets hat sie bis 15. Mai einen Platzverweis von Regierungsseite erhalten. Den Auftrag dazu gab BCAL (British Columbia Assets and Land Corporation), jetzt umfirmiert in Land and Water British Columbia Inc. (LWBC), das im Provinzbesitz befindliche Unternehmen, welches das sogenannte Crown Land verwaltet. Während Janice und meine Schwester sich ein bisschen in der Village Daylodge umsahen, begab ich mich direkt zum Immobilienbüro von ReMax. Dies ist ein Franchise-Unternehmen mit weltweit über 70 000 

Immobilienmaklern und 4 200 Büros. Ich erklärte Herrn Hanrahan, dass ich ein Bekannter von Herrn Doppelmayr sei (Inhaber des in Österreich ansässiges Unternehmens, dass weltweit führend in der Errichtung von Skilifts ist und Mitinitiator zur Übernahme von Sun Peaks durch Nippon Cable war). Dieser habe mir empfohlen, ich solle doch einmal in Sun Peaks vorbeischauen. Ich erklärte dem Makler, ich sei an einer Ferienwohnung in Sun Peaks interessiert, und fragte ihn, welche Angebote es gäbe. Daraufhin präsentierte er mir ganz stolz den Plan zur Erweiterung von Sun Peaks. Die derzeitige Kapazität von etwas über 4 000 Betten würde nach Fertigstellung der Phase 3 auf etwa 20 000 Betten gesteigert. Sechs neue Hotels seien geplant, und entlang des McGillivray Creeks würde man Mehrfamilienhäuser und Einzelbungalows errichten. Ich war platt. Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass das Delta Hotel das einzige sei, das zu den bestehenden Hotels hinzukommen würde. Nun diese Information: Hunderte neuer Häuser sind also geplant. Die ursprüngliche Investitionssumme würde damit von ca. 70 Mio. Can$ auf über eine Milliarde steigen.

 

Der "neue" Master Development Plan

Erneut wurde missachtet, dass die betroffenen Indianer vor den Investitionsplanungen informiert werden müssen, und dies, obwohl erst kürzlich in zwei weiteren Gerichtsentscheidungen (Haida Nation and Guujaaw vs Minister of Forests and Weyerhauser sowie Taku River vs. Ringstadt) die Gerichte dies eindeutig gefordert haben. Bepackt mit dem neuen Plan sowie weiteren Prospekten, Immobilienexposés und Werbebroschüren verließ ich das Immobilienbüro und Sun Peaks. Als ich die Materialien anschließend Janice Billy und Arthur Manuel zeigte, waren sie sichtlich entsetzt über die Dreistigkeit, mit der ihr Land durch Immobilienhaie und Regierungsunternehmen verhökert werden soll. Sun Peaks liegt in dem 1862 vom damaligen Gouverneur Douglas zugesicherten Neskonlith-Douglas Reserve. Die Secwepemc haben das Land nie abgetreten. Der oberste Gerichtshof bestätigte 1997, dass die Indianer in British Columbia auf das nicht abgetretene Land einen Aboriginal Title haben. Und was macht die Regierung von B.C.? Sie vergibt durch BCAL/LWBC, das, was sie als Crown Land bezeichnet, an Unternehmen, die aus Skwelkwek’welt ein Spekulationsobjekt machen, Fakten schaffen und eine (hypothetische) Rückgabe des Landes an die Indianer unmöglich machen soll. Für die beteiligten Unternehmen ist dies ein lohnendes Geschäft. Subventioniert, dadurch, dass das von der Regierung gestohlene Land günstig für ihre Investitionen genutzt werden kann. Ähnliches betreibt die kanadische Regierung bei der Unterstützung ihrer Holzexporte. In diesem Fall hat jedoch die Welthandelsorganisation WTO zum ersten Mal einen Amicus-Curiae-Brief von Indianern angenommen, wie uns Arthur Manuel stolz erzählte. In diesem Brief belegt die Interior Alliance, dass die Holzexporte nur so günstig sind, da die unrechtmäßige Nutzung indianischen Landes und der darauf befindlichen Bäume eine direkte Subvention darstellt. Dies schlug bei der kanadischen Regierung ein wie eine Bombe. War es doch Kanada, das gegen die von der US-Regierung wegen des Subventionsverdachts erhobenen Strafzölle auf die kanadischen Holzexporte gerade erst bei der WTO protestierte.

Janice Billy entsetzt über den Verkauf des Shuswap-Landes

Egal ob Holzexporte oder die Erweiterung von Skiressorts wie Sun Peaks: Es geht um Milliarden und kein Wunder, wenn die beteiligten Unternehmen und Regierungsstellen ihre Pläne rigoros durchsetzen wollen. Chief Stewart Philip von der Union of British Columbia Indian Chiefs, bestätigte uns, mit welchen Intrigen und anderen unsauberen Mitteln die unliebsamen Indianer wie z.B. Artur Manuel bekämpft werden. Aber auf allen Ebenen will sich die kanadische Regierung mit Macht durchsetzen. Nicht nur bei den Repräsentanten, sondern auch bei den Demonstranten vor Ort greift sie mit aller Härte durch. So wurde jetzt Jim Gregory in Kamloops zu einer Haftstrafe verurteilt, da er einen Polizisten weggestoßen haben soll. Das Urteil geht auf einen Vorfall im November letzten Jahres zurück, bei dem es während einer Protestveranstaltung in Sun Peaks zu Rangeleien kam. Der sehr schwache Vorwurf, der sonst von niemanden beobachtet wurde, hat nun zur Verurteilung geführt. Weder Herr Gregory noch sonst jemand von den Shuswap, die von der Polizei in Sun Peaks verhaftet wurden, haben irgendwelche kriminellen Absichten, aber vermutlich werden alle über 50 Verhafteten mit ähnlichen Repressionen zu rechnen haben. Die Regierung benutzt die von ihr geschaffenen Gesetze, um die Indianer zu kriminalisieren und wenn möglich zu verurteilen. Doch diese Politik löst die Fragen nach den Rechten der Indianer nicht. Es ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie die kanadische Regierung ihre Macht missbraucht und Gesetze manipuliert, um die Rechte der Indianer zu verletzen, so wie bei den Lubicon Cree oder den Mohawk in Oka oder sonst wo in Kanada. Das Ganze läuft nach dem Motto ab: Bist Du nicht willig (nach meinen Vorstellungen mit mir zu verhandeln), so brauch’ ich Gewalt.

Nach außen verbreiten Kanada und British Columbia das Image, als seien sie die "besseren Amerikaner" und Vorreiter bei den Menschenrechten. So setzten sie sich international für die Ächtung von Landminen ein, um sie aber bei der Auseinandersetzung am Gustafsen Lake gegen Indianer einzusetzen, wie es uns William Ignace, besser bekannt unter dem Namen "Wolverine", bestätigte. Er musste mehrere Jahre ins Gefängnis, da er die Landrechte der Shuswap verteidigen wollte, und wegen der Auseinandersetzung, die dort stattfanden, verurteilt wurde.

 

Bei unserer Fahrt durch British Columbia besuchten wir auch Whistler, einen weiteren, schon länger existierenden Skiort. Whistler bewirbt sich zusammen mit Vancouver um die olympischen Winterspiele 2010. Im Zentrum des Ortes befindet sich das "Bit office", in dem auf die Vorzüge von British Columbia und Whistler als Austragungsort hingewiesen wird. Natürlich kein Wort von den Auseinandersetzungen um Sun Peaks oder Melvin Creek, nichts über das undemokratische Treaty Referendum und nichts über die Missachtung der eigenen Gerichtsentscheidungen durch die kanadische und die Provinzregierung. Nur folgerichtig haben die Indianer gegen die Bewerbung von Vancouver/Whistler um die olympischen Winterspiele 2010 beim Internationalen Olympischen Komitee protestiert. Zuerst muss die Regierung die Indianer in ihre Entscheidungen mit einbeziehen und deren Rechte akzeptieren, denn in einem Land, wo die Menschenrechte so eklatant ignoriert werden, sollten die olympischen Spiele nicht stattfinden – dies wäre eine Missachtung des olympischen Geistes.

Schreiben Sie deshalb an das Nationale Olympische Komitee und fordern Sie, dass das NOK die Bewerbung von Vancouver/Whistler nicht unterstützen soll.

Nationales Olympische Komitee für Deutschland,

z.Hd. Herrn Walther Tröger

Postfach 71 02 63

60528 Frankfurt/Main

Fax: 069 6771229

E-Mail: info@nok.de

Von Ludwig Seiller

 

 

 
 

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