Aufgrund unseres weiter unten stehenden Protestbriefes
erhielten wir von ReMax eine Antwort, die sowohl den Sachverhalt
entstellt als auch unsere Motivation diskreditiert, so dass wir uns zu
der direkt nachfolgenden Klarstellung genötigt sahen:
Sun Peaks verletzt Landrechte der
Secwepemc
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielleicht haben auch Sie in den letzten Wochen Schreiben erhalten,
deren Absender sich besorgt über die Menschenrechtssituation in Sun
Peaks und die Missachtung der indianischen Landrechte geäußert haben.
Sollte dies der Fall gewesen sein, haben Sie sich vielleicht direkt an
den verantwortlichen Franchise-Unternehmer in Sun Peaks mit der Bitte um
Information gewandt und jenes Schreiben erhalten, das auch uns vorliegt.
Wir weisen entschieden die im Schreiben von Bert Gatien und Bill
Hanrahan vorgebrachten Unterstellungen und Unwahrheiten zurück!
Die beiden Autoren behaupten in unhaltbarer Weise, die von uns
initiierte Kampagne zur Unterstützung der unzweifelhaften indianischen
Rechte entspringe einer aktivistischen Verblendung, die bewusst, die
Fakten ignoriere (Zitat aus dem Schreiben vom 09.10.2002: "people
with an ‚activist‘ mind set have chosen not to be fully
informed"). Gerade Bill Hanrahan müsste dies besser wissen, denn
wir haben uns im Mai 2002 in seinem Büro in Sun Peaks getroffen.
Folgend listen wir die im Schreiben enthaltenen Behauptungen nochmals
auf und nehmen Stellung zu diesen:
Das Land sei nach Aussagen von Holzfällern und Ranchern nicht
bewohnt gewesen.
Die Secwepemc – ein Zusammenschluss von 17 Bands – lebten bereits
lange vor der weißen Besiedlung als Jäger, Fallensteller und Fischer
in der Region im Inneren der Provinz. Hier sammelten sie Heilkräuter
und führten ihre Zeremonien durch. Wenn das Land nicht besiedelt
gewesen wäre, so wundert es doch, dass das von der Bundesregierung zur
Gründung Kanadas herausgegebene Handbuch über die kanadischen Indianer
bereits 1871 den genauesten Lebensraum eben jener Indianer im Detail
auflisten konnte. Zudem war bereits zuvor 1862 das Douglas Reserve für
die Secwepemc eingerichtet worden, in dessen Gebiet auch Sun Peaks
liegt.
Die Secwepemc hätten niemals einen Landtitel beansprucht.
Während meiner Kanadareise im Frühjahr dieses Jahres konnte ich das
Originaldokument von 1862 mit Siegel und Unterschrift in Händen halten,
welches das Douglas Reserve begründete. Doch ist dies nur ein Detail am
Rande, denn der entscheidende Punkt besteht darin, dass die Indianer
einen solchen Landrechtstitel gar nicht einklagen und beanspruchen
müssen, denn er besteht nach wie vor. Dies wurde ausdrücklich in der
kanadischen Verfassung von 1982 unter Abschnitt 35 bestätigt. Die
Gültigkeit des Landrechtstitel wurde zudem im epochalen Urteil des
Obersten Kanadischen Gerichtshof 1997, im sogenannten Delgamuukw-Urteil
erneut bekräftigt und mit weiteren Gerichtsentscheiden untermauert
Das Land sei rechtmäßig von der Provinz British Columbia erworben
worden.
Man kann keinen Gegenstand von jemandem erwerben, dem dieser nicht
gehört. Wer so handelt, macht sich – auch nach unseren Gesetzbüchern
– der Hehlerei schuldig. Entsprechend der kanadischen Verfassung sowie
der Bestätigung durch den Obersten Gerichtshof gehört das Land weder
der Provinz British Columbia noch der Bundesregierung, sondern allein
den ursprünglichen und rechtmäßigen Titelinhabern, d.h. den
Indianern. Die Provinz hat daher verfassungswidrig gehandelt, als sie
Land veräußerte, auf das sie keinen Rechtstitel hatte.
Der Protest werde lediglich von einer Familie getragen.
Der Widerstand gegen die Zerstörung ihres Landes und die Missachtung
ihrer Rechte wird von einer breiten Basis der Secwepemc getragen. Es
handelt sich nicht lediglich um eine Familie, die – wie wohl der
Verfasser des Schreibens andeuten will – sich unter dem Deckmantel der
Landrechtsfrage nur selbst bereichern will. Die verschiedenen Gruppen
der Secwepemc haben wiederholt ihre Einigkeit in dieser Frage bekundet.
Sie erfahren dabei Unterstützung und Solidarität nicht nur von der
Interior Alliance, vielen indianischen Völkern und Organisationen, wie
etwa durch die Assembly of First Nations, dem Dachverband der
kanadischen Indianer, sondern auch in der internationalen Gemeinschaft.
Es handelt sich hierbei nicht um verblendete Aktivisten, sondern
bedeutende Menschenrechtsorganisationen, und nicht zuletzt die Vereinten
Nationen selbst, denen wohl keiner blinden Aktivismus unterstellen
wolle, haben die Position der Secwepemc gestärkt. Erst vor wenigen
Monaten erklärte das UN-Committee on the Elemination of All Forms of
Racial Discrimination (CERD) seine tiefe Besorgnis über die Situation
und verlangte von der kanadischen Regierung die Einhaltung ihrer
Verfassung und vertraglichen Pflichten.
Die Unterstützer der Secwepemc seien uninformiert.
Wie Sie unserem anliegenden Magazin "Coyote" entnehmen
können, sind wir detailliert mit allen Fakten vertraut. Uns liegen
sämtliche relevanten Gerichtsentscheide und Dokumente vor. Wenn Sie
sich selbst von den Fakten überzeugen möchten, verweisen wir Sie auf
unsere Homepage www.sunpeaks.de. Dort werden Sie alle weiteren Fragen
beantwortet finden.
Re/Max Geschäftsbedingungen
Leider verzichten die beiden Schreiber des genannten Briefes wohl
nicht zufällig darauf, sich zu der Frage Ihres eigenen "Code of
Ethics" als Re/Max-Franchise zu stellen. Wir haben bereits auf den
Umstand verwiesen, dass Sie eventuelle Käufer in ernsthafte Bedrängnis
bringen werden, da sich die Landrechtsfrage noch im Prozess befindet, an
dessen Ende sich die Regierung ihrer Verantwortung wird stellen müssen.
Dies bedeutet für Ihre Kunden im Extremfall den entschädigungslosen
Verlust der Immobilie. Wir machen Sie darauf eindringlich aufmerksam,
dass dies keine solide Geschäftsbasis ist. Bereits das Vorhaben eines
Skiresorts am Melvin Creek wurde durch den entschiedenen Widerstand der
Indianer verhindert. Falls Ihre Kunden bzw. Ihr Franchise-Partner in Sun
Peaks darauf spekulieren sollte, dass durch die Bewerbung von
Vancouver/Whistler für die Winterolympiade 2010 weitere Investoren
angelockt werden können, kann ich Ihnen nur zur Zurückhaltung raten.
Auch das Internationale Olympische Komitee, welches über den Standort
zu befinden hat, wird kaum einen Austragungsort wählen, der
international unter dem Ruf der Menschenrechtsverletzung steht. Ihre
Wirtschaftspläne könnten sich schnell in eben jene heiße Luft
verwandeln, die ihre Werbeballone füllt, und Ballone können leicht
platzen.
Im Interesse Ihres eigenen Rufs als solides Unternehmen sollten Sie
sich an die eigenen Geschäftsgrundlagen halten und sich dagegen wehren,
sich von einem Kollegen für diskriminierende Unterstellungen
missbrauchen und für seine Zwecke instrumentalisieren zu lassen.
Wir legen Ihnen ausführliche Informationen bei und erwarten Ihre
Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Protestbrief an Re/Max:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wohlwollend haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie sich
verpflichtet haben, gemäß einem Ehrenkodex
Ihre Geschäfte zu betreiben. Diese Verpflichtung hebt Sie aus dem
Gros vieler Unternehmen heraus und dient dem Ansehen ihres Unternehmens
und des ganzen Franchise- Verbundes.
Leider mussten wir feststellen, dass ein Re/Max-Mitglied gegen diesen
Code of Ethics vorsätzlich und in grober Weise verstößt. Es handelt
sich dabei um Re/Max Alpine Resort Realty, ein Immobilienbüro, das in
Sun Peaks in British Columbia, Kanada tätig ist. Dort soll ein
Skiressort erheblich erweitert und Appartements, Bungalows und
Hotelwohnungen verkauft werden. Das Land, auf dem sich dieser Skiressort
befindet, ist jedoch indianisches Land. Die Secwepemc besitzen einen
sogenannten "Aboriginal Title" auf das Land, was ihnen in
einem Urteil des obersten Gerichtshofes von 1997 bestätigt wurde.
Außerdem befindet sich das Land in den Grenzen der "Neskonlith
Douglas Reserve", einem Gebiet, das 1862 den Indianern zur
Verfügung gestellt wurde. Die betroffenen Indianer haben sich
wiederholt gegen die Erweiterung des Skigebietes ausgesprochen und haben
dies auch durch direkte Aktionen und ihren Protest bekräftigt. Die
letzte Maßnahme war ein Bericht an das Committee on the Elimination of
all Forms of Racial Discrimination (CERD) der UN, das daraufhin die
kanadische Regierung angemahnt hat, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Diese Sachlage wird den Interessenten nicht mitgeteilt, und das Büro
vermittelt weiterhin Immobilien, die sich auf diesem indianischen Land
befinden.
Dies verstößt gegen Ihren, für alle Re/Max-Mitglieder
verpflichtenden Code of Ethics. Dort heißt es u.a.:
-Um diese Verpflichtung einzulösen, sind RE/MAX-Franchisenehmer und
RE/MAX-Lizenznehmer bemüht,
die Normen sowohl von REIMAX als auch der Branche
beizubehalten und zu verbessern: -durch Ihr Bestreben, die
Öffentlichkeit bei jedem Immobiliengeschäft vor Betrug:, schlechter
Darstellung und unethischen Handlungen zu schützen
-In der Auslegung Ihrer Verpflichtungen, können RE/MAX-Mitglieder
keinen besseren Leitfaden finden, als die Goldene Regel, die besagt:
"Was Du nicht willst, was man Dir tut, füge auch keinem anderen
zu!"
-Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf einen Verkäufer, einen Käufer,
einen im Immobiliengeschäft Tätigen oder eine an einem
Geschäftsvorgang beteiligte Partei täuschen oder bei der Ausübung
seiner Tätigkeit betrüge- rische Praktiken anwenden.
-Artikel: Kein RE/MAX-Mitglied darf übertreiben, unzutreffende
Aussagen machen und einschlägige Tatsachen preisgeben, die sich auf
eine Eigentumsübertragung beziehen, wobei er auf ihm bekannte Mängel
hinweisen muss, die den Wert einer Immobilie oder ihre beabsichtigte
Nutzung erheblich beeinträchtigen.
-Artikel: Alle RE/MAX-Mitglieder sind dazu angehalten, in ihrer
Werbung oder in öffentlich gemachten Angaben zutreffende "und
genaue Informationen zu liefern und die Öffentlichkeit in keiner Weise
zu täuschen.
Sie müssen zugeben, dass wenn man einem Käufer einer Immobilie
nicht mitteilt, wer der Besitzer des Landes ist, auf dem sich diese
Immobilie befindet, einen groben Verstoß gegen obige Richtlinien
darstellt. Des weiteren ist dies eindeutig als unethisch zu betrachten.
Und der erwähnte kategorische Imperativ: Was Du nicht willst, was man
Dir tut... wird hier völlig ins Gegenteil verdreht. Sie können gerne
die Secwepemc dazu befragen, was sie davon halten.
Darum bitte ich Sie, sich dafür einzusetzen, dass Sun Peaks Realty
seine Tätigkeit in Sun Peaks einstellt oder, wenn diese dazu nicht
bereit sind, aus dem Franchise- Verbund zu entfernen.
Sie können damit rechtzeitig dazu beitragen, dass der Name Re/Max in
der Öffentlichkeit nicht geschädigt wird und Boykottaktionen
gegenüber ihrem Verbund nicht durchgeführt werden.
Mit freundlichen Grüßen
P.S.: Ich bitte Sie mir mitzuteilen, welche Maßnahmen Sie zu
ergreifen gedenken.
________________________________________________________
Protest-
und Spendenaufruf
![[Familie]](t_bc1.jpg)
Britisch
Kolumbien, Kanada, im Dezember 2001. Am 10. Dezember, dem
Internationalen Tag der Menschenrechte, kam es zu einer schweren
Verletzung der Menschen- und Indianerrechte der Secwepemc (Shuswap).
Ihre beiden Lager in Skwelkwek'welt und am McGillivray-See wurden brutal
zerstört und mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht. Das alles
geschah am Vorabend des 4. Jahrestages der Delgamuukw-Entscheidung, in
der der oberste Gerichtshof am 11. Dezember 1997 den Aboriginal Title
(die angestammten Landrechte der Indianer) anerkannte. Nicole Manuel und
ihre beiden Söhne Mahekan (2) and Aaron (10), die diese Rechte aktiv
verteidigen, werden diese Tage in trauriger Erinnerung bleiben, denn
durch die Zerstörung ihres Hauses am McGillivray-See in Skwelkwek'welt
sind sie nun heimatlos.
Ihr Haus wurde auf Betreiben der japanischen Eigentümer der
Sun-Peaks-Skianlage, Nippon Cable, abgerissen. Auf Anordnung von
Staatsanwalt Geoff Plant führte die Land- und Immobilien-Behörde von
Britisch Kolumbien (BCAL) zusammen mit der Polizei (RCMP) die gewaltsame
Aktion aus.
Der traditionelle Rundbau, das Zuhause der Familie Manuel, wurde im
Laufe der letzten Monate unter Mithilfe der gesa indianischen
Gemeinschaft von Neskonlith aufgebaut. Neben dem Haus wurden
Schwitzhütten niedergewalzt und heilige Stätten und Gegenstände
entweiht. Obwohl die Familie und die Secwepemc derartig brutalen Übergriffen
ausgesetzt sind - die eines demokratischen Staates unürdig sind -
wollen sie auf ihrem Land bleiben. Die Secwepemc bestehen auf ihren
verfassungsmäßig zugesicherten Landrechten. Die Familie will ihr Haus
wieder aufbauen und braucht dafür internationale Unterstützung.
Am See befindet sich eine Hütte, die ein lokaler Unterstützer von
der BCAL gepachtet hat, aber nun abtreten will. Natürlich können die
Indianer die Hütte weder kaufen (10.000 kanadische Dollar) noch wollen
sie sie von BCAL pachten. Wir möchten deshalb die Pacht (1.500 Dollar)
bezahlen, damit die Familie in der Hütte überwintern kann.
Über die nächsten Monate werden wir dann versuchen, das restliche
Geld aufzutreiben, um die Hütte entweder für die Secwepemc zu kaufen
oder sie als Hütte für Menschenrechtsbeobachter einzurichten.
Bitte beteiligen Sie sich an Protestaktionen und/oder senden Sie
angefügten (oder besser einen eigenen) Protestbrief an Premierminister
Chretien oder einen anderen aufgeführten Empfänger.
Protestbrief
To
The Right Honourable Jean Chretien
Prime Minister of Canada
Fax: +1-613-941-6900
Violation of the human rights of the Secwepemc people (BC)
Dear Sir:
I am shocked to learn that on December 10th 2001, the 53rd
anniversary of the International Human Rights Day, severest human rights
violations were inflicted on the Secwepemc people who only want to
peacefully protect their traditional territory around Skwelkwek welt
from the expansion of Sun Peaks Ski Resort.
In destroying the two permanent camps at Skwelkwek'welt and
MacGillivray Lake with heavy equipment, the RCMP - I firmly believe -
clearly exceeded the terms of the court order that the Secwepemc had
asked to be clarified. It may sound harsh, but the forceful removal of
indigenous peoples from their land is genocide according to
international human rights standards.
You also seem not to like to acknowledge that the policy of
extinguishment (1986 Comprehensive Claims Policy) violates Section 35 of
the Canadian Constitution that protects Aboriginal Title and Rights and
is also against the word and the spirit of the 1997 Delgamuukw decision
of the Supreme Court. This policy cannot lead to good faith negotiations
between the people and the governments and obviously tries to prevent
possible coexistence on the land which is mandated by the Supreme Court.
The Secwepemc people have no more option left in the Canadian legal
system but to peacefully protest and to raise international awareness.
The general public, journalists and politicians over here are puzzled by
the fact that the Canadian governments even ignore decisions of their
Supreme Court.
I firmly side with the Secwepemc people and elders in their
opposition against the further expansion of Sun Peaks Ski Resort as long
as the issue of Aboriginal Title is not properly settled.
I am aware that tourism is promoted as an important economic sector
in British Columbia, typically without the involvement of the Shuswap
people and by ignoring the Aboriginal Title issue. A few days ago, a
group of 700 German travel managers have visited B.C. (organized by
Dertour). These persons and other travel agencies in Germany should know
about what is going on in your country. The heavy violations of
aboriginal rights during the last days have strengthened my commitment
for an information campaign in Europe, so that less tourists may come to
BC and the involved European companies will get under pressure.
Sincerely
Weitere mögliche Adressaten eines Protestbriefes:
Mr. Gordon Campbell
Premier of British Columbia
Fax: +1-250-387-0087
Mr. Geoff Plant
Attorney-General and Minister Responsible for Treaty Negotiations
Fax: +1-250-387-6411
Mr. Ohkubo
President Sun Peaks Resort Corporation
Fax: +1-250-578-7223
Bitte senden Sie uns eine Kopie des Protestbriefes und mögliche
Antworten.
Fax: (089) 35 65 18 37